addiQuick

die Turbofilzmaschine

 

Wie ich zu dieser Erfindung kam

 

2008 begann ich mit dem Material Wolle/Filz zu experimentieren. Aus diesem Material und mit der Technik des Nass- und Trockenfilzen/Nadelfilzen, gestalte ich mittlerweile den größten Teil meiner kreativen Objekte.

 

Da man beim Trockenfilzen mit einer Nadel wiederholt, manuell in die Wolle stechen muss und das auf Dauer sehr anstrengend und zeitraubend ist, kam mir eine Idee. Es müsste eine Maschine geben, die mir die Arbeit erleichtern könnte. Eine Maschine, die auf selbstständige Weise die Bewegung ausführt, die ich manuell mit der Hand machen muss. Sie sollte klein, handlich, leicht und gut beweglich sein. Mit Ihr sollte es möglich sein, beliebig große, kleine, dreidimensionale, hohle und flache Objekte zu filzen bezw. zu befilzen und ich wollte sie überall mit hinnehmen können.

 

Für all diejenigen die nicht wissen wie das Filzen mit der Nadel funktioniert muss ich vorweg erklären wie das Filzen genau ausgeübt wird.

 

Es gibt zwei Filztechniken, das Trockenfilzen und das Nassfilzen. Bei beiden Techniken werden die vom Schaf geschorene, gewaschene, trockene und gekämmte Rohwolle so verarbeitet, dass am Ende eine geschlossene, fest verbundene Filzschicht oder Filzform entsteht.

Meine Erfindung dient nur dem Trockenfilzen/ Nadelfilzen.

 

Beim Trockenfilzen wird mit einer etwa 8 cm langen, dreieckig angeschliffenen Filznadel, die an der Spitze Widerhaken aufweist, wiederholt manuell in die Rohwolle gestochen. Durch die Widerhaken an der Spitze der Nadel werden die einzelnen Fasern bei jedem Hineinstechen miteinander verhakt/verfilzt. Dieser Vorgang muss so lange wiederholt werden, bis sich eine feste, geschlossene Schicht gebildet hat und somit die Fasern miteinander verfilzt sind. Auf diese Weise kann jede beliebige Form hergestellt werden. Zum Beispiel: ein Ball, ein Tierchen oder auch eine Fläche. Da diese Technik sehr zeitraubend und auf Dauer sehr anstrengend ist, habe ich mir die "mobile Handfilzmaschine" (daher auch mein Name, Mobifilz) ausgedacht.

 

Die addiQuick Turbofilzmaschine, wie sie jetzt genannt wird, ist um einiges schneller als die handelsübliche Filzmaschinen (diese Maschinen sind nur für zweidimensionales Filzen geeignet).

Im Vergleich zu den handelsüblichen Maschinen verbraucht sie deutlich weniger Strom, da sie im Niedervoltbereich arbeitet.

Es besteht zu allen Seiten ein großer Aktionsradius, da die addiQuick in der Hand liegt und man um das Objekt herum filzen kann. Das Objekt muss nicht wie bei handelsüblichen Maschinen, bewegt werden. Dies ist bei sehr großen, schweren, unhandlichen und bei sehr kleinen Objekten ein sehr großer Vorteil.

Aufgrund ihrer Größe und des geringen Gewichts, kann sie überall da eingesetzt werden, wo ein Netzanschluss vorhanden ist.

 

Der Entstehungsprozess

 

Was benötigte ich also dazu, um meine Idee zu verwirklichen und wie müsste die Maschine funktionsmäßig aufgebaut sein, damit die Nadel, verbunden mit einem Motor, eine Linearbewegung ausführt.

 

Ich fing an zu tüfteln. Ich verband einzelne Komponenten grob miteinander. Fügte das eine und das andere, was sich in meinem Haushalt befand, hinzu und baute das Gehäuse in Form einer alten Aludose um diese Konstruktion, damit ich sie in die Hand nehmen konnte. Dann schloss ich den Niedervolt Netzstecker an die Kabel des Motors an und startete den ersten Versuch. Es funktionierte so wie ich es mir vorgestellt hatte. In diesem Zustand war meine Maschine jedoch noch recht wackelig, laut und vibrierte sehr stark. Also musste alles noch mal verfeinert werden. Beim verfeinern half mir dann mein Mann. Ich probierte zwischendurch immer wieder aus und gab neue Vorschläge zum verfeinern. Das Gehäuse modellierte ich anschließend aus glasfaserverstärkten Kunststoff.

 

Der fertige Prototyp sah anschließend so aus

 

Die Maschine war fertiggestellt und funktionierte nun einwandfrei. Ich führte sie bei der nächsten Gelegenheit meinen Freunden vor. Alle waren sich einig, ich sollte darauf ein Patent anmelden. Ich habe in diesem Augenblick nur gedacht, dass so eine Maschine sicherlich schon auf dem Markt angeboten wird und ich sicherlich nicht diejenige war die eine neue Erfindung gemacht hat.

In den nächsten Wochen recherchierte ich im Internet. Ich fand aber nichts, das meiner Maschine ähneln könnte. Ich musste unbedingt heraus finden ob so eine Maschine schon existiert. Ich erfuhr von einer Bekannten, dass sie kürzlich von der Agentur für Wirtschaftsförderung hörte, die sich unter anderem mit Erfindern beschäftigt.

 

Es traf sich, dass eine Woche später bei uns in der Nähe eine Existenzgründungsmesse statt fand, wo auch die Agentur für Wirtschaftsförderung, Afw, vertreten war. Ich ging hin, stellte mich vor, sprach die für mich zuständige Frau Lehnert von der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft im Landkreis Cuxhaven an und erzählte ihr sehr verhalten von meiner Erfindung. Ich hatte Angst, dass man mir meine Erfindung abspenstig machen könne. Sie versicherte mir, dass sie zur Verschwiegenheit verpflichtet sei. Dennoch mochte ich in aller Öffentlichkeit nichts Genaueres über meine Erfindung erzählen und wir vereinbarten für die nächste Woche einen Termin.

 

An diesem Tag führte ich meine Maschine das erste Mal einer fremden Person vor. Glücklicherweise war Frau Lehnert, bevor sie bei der Afw anfing, als Unternehmensberaterin in verschiedenen Produktionsfirmen tätig. Sie erkannte sofort das Potenzial meiner Erfindung und versprach mir, für mich zu recherchieren ob so eine Maschine oder etwas Ähnliches, wie ich sie entwickelt habe schon im Handel erhältlich ist. Eine Woche später schrieb sie mir eine Mail, in der sie mir mitteilte, dass sie auch nichts Vergleichbares im Internet gefunden habe. Sie schlug mir vor, mit ihr zum Transferzentrum Elbe-Weser, TZEW zu fahren, denn dort arbeitet unter anderen ein gewisser Herr Schrickel, der sich mit Patentrechten und Patentrecherche besser auskenne als sie.

 

Wir vereinbarten einen Termin mit Herrn Schrickel. Ich führte ihm die Maschine vor und auch er war davon sogleich begeistert. Auch er versprach mir im Internet für mich zu recherchieren. Zwei Tage später meldete sich Herr Schrickel bei mir und auch er erzählte mir, dass er im Internet nichts Vergleichbares gefunden habe. Er empfahl mir, um Sicherheit zu gewinnen, mich an das Erfinderzentrum Norddeutschland, EZN, zu wenden.

 

Ich rief dort an, machte einen Termin und führte dann ein drittes Mal meine Maschine vor. Herr Speckbacher, der sich meine Erfindung anschaute sagte mir, dass ich einen Antrag auf Förderung stellen könnte. Im Rahmen dieses Antrags würde das EZN erst einmal prüfen ob es meine Erfindung schon gibt, sprich ob es schon beim Deutschen Patentamt- und Markenamt, DPMA, eine ähnliche Eintragung gibt. Wenn noch kein Eintrag besteht, würde man prüfen ob meine Erfindung überhaupt marktfähig wäre. Wenn beides zu träfe dann würde ich vom EZN gefördert werden.

 

Ich füllte den Antrag aus und wartete ab. Nach 2 Monaten bekam ich dann einen Brief vom EZN in dem stand, dass nichts vergleichbares im DPMA vermerkt wurde, dass mein Produkt wirtschaftlichen Erfolg verspreche und aus diesem Grund mein Antrag auf Förderung bewilligt wurde.

 

Der nächste Schritt bestand darin, dass ich mit Frau Lehnert einen Patentanwalt aufsuchte, um ihn damit zu beauftragen, einen Antrag auf Patent beim DPMA einzureichen.

Der Antrag wurde eingereicht und schon nach einem Jahr bekam ich vom DPMA einen Erteilungsbeschluss, der besagte, dass nach Veröffentlichung der Patentschrift drei Monate lang Dritte Einspruch erheben können. Wenn in diesen drei Monaten niemand Einspruch erhebt, wird mir das Patent erteilt.

Innerhalb dieser Veröffentlichung erhebte kein Dritter Einspruch und das Patent wurde mir erteilt.

 

Als schon abzusehen war, dass mein Antrag auf Erteilung eines Patentes Erfolg haben würde, setzten wir uns alle, das EZN, das TZEW, die Afw/Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft und ich uns an einen Tisch um zu überlegen, welche Firma bezüglich Produktion und Vermarktung meiner Erfindung, welche ich zwischenzeitlich Mobifilz (mobile Handfilzmaschine) getauft hatte, infrage käme. Es sollte entweder eine Maschinenbau Firma sein oder noch besser, eine Firma die sich mit dem Vertrieb und der Produktion in Sachen Handarbeiten auskennt und beschäftigt. Sie sollte in Niedersachsen, mindestens aber in Deutschland ansässig sein und ich wollte gerne einer mittelständischen Firma die Chance geben, mit meiner Erfindung Geld zu verdienen. Das Patentrecht wollte ich behalten. Somit blieb mir die Möglichkeit einen Lizenzvertrag anzustreben.

 

Wir arbeiteten ein Informationsblatt aus und schickten dieses an die potenziellen Firmen. Es kamen nicht viele infrage. Insgesamt hatten wir neun in die engere Auswahl genommen. Drei davon waren Maschinenbau Firmen. Die drei Maschinenbau Firmen suchte ich auf und führte ihnen meine Maschine vor. Alle waren sehr angetan von meiner Idee jedoch hatte keine Erfahrungen mit dem Vertrieb von solch einer Maschine und nahmen Abstand davon. Sie würden die Maschine zwar per Auftrag bauen aber ich hätte alles selber Vermarkten müssen. Und das wollte und konnte ich nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die restlichen Firmen anzuschreiben. Als nächstes fiel die Wahl auf eine Firma, die ihren Sitz im Sauerland hat und sich mit Handarbeitszubehör beschäftigt. Den passenden Tipp dazu erhielt ich von Herrn Prof.Dr. Michael Szeliga von der Jade Hochschule Wilhelmshaven.

Das Infoblatt wurde wie üblich per Mail, vom EZN, an die Firma Gustav Selter GmbH + Co. KG raus geschickt und ich durfte mich und meine Erfindung dort vorstellen.

 

Der Geschäftsführer Herr Thomas Selter begrüßte mich und Frau Lehnert, die mich wie immer begleitete. Ich führte meine Erfindung vor und Herr Selter zeigte reges Interesse. Er schlug vor, dass ich schon mal einen Letter of Intent, eine Absichtserklärung, verfassen könne. Dies war mal wieder eine Aufgabe für Herrn und Frau Deutsch vom EZN.

 

Das EZN bereitete alles vor. Schließlich haben sie Jahrzehnte lange Erfahrungen in solchen Angelegenheiten. Es wurde ein Vertrag aufgesetzt und im Juni 2011 unterzeichneten Herr Selter und ich den Lizenzvertrag.

 

In den darauf folgenden Monaten haben Herr Selter und ich die von mir entworfene Maschine weiter entwickelt und verbessert. Nun wird meine Erfindung von der Firma Gustav Selter GmbH + Co. KG, auch bekannt als Addi-Nadeln, gebaut und vertrieben. Da alle Produkte den Markennamen addi tragen, hat die Maschine den treffenden Name addiQuick die Turbofilzmaschine erhalten. Und so wird sie in den Fachgeschäften angeboten.

Es bleibt abzuwarten welchen Anklang meine Erfindung in der Öffentlichkeit findet und in welcher Stückzahl sie verkauft wird.

Sicher ist aber, dass sich weltweit immer mehr Menschen mit dem Filzen beschäftigen und von meiner Erfindung profitieren können. Außerdem können die Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen das Nadelfilzen nicht ausüben können, z.B. weil sie oftmals Sehnenscheiden Entzündungen, Probleme mit dem Karpaltunnel haben oder andere Handicaps, mit meiner Erfindung das Nadelfilzen ausüben.

 

 

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bei denjenigen bedanken, die mich auf meinen Weg begleitet und unterstützt haben. Ich werde hier nicht alle namentlich aufzählen, dass würde doch ein wenig viel werden. Aber ihr wisst schon wer von euch gemeint ist ;-)

 

Ohne eure Unterstützung hätte ich diesen Weg nicht bewältigen können.

Ihr habt mir in den Momenten zur Seite gestanden als ich am Horizont keinen Lichtstrahl mehr sah und meine Ängste mich zu überwältigen drohten.

Ihr habt mir gut zugeredet, mir Mut gemacht und mich motiviert weiter zu machen.

Ihr standet immer an meiner Seite und habt mir einen Arm gereicht und eine Schulter angeboten als ich mich zwischenzeitlich mal festhalten oder anlehnen musste.

Und Ihr hab mit mir die Freude geteilt als kleine oder größere Hürden genommen wurden.

 

  Danke Danke Danke

 

Ich verneige mich vor euch ihr seid wunderbar

 

Genaueres zu der addiQuick (Lieferumfang ect.) erfahrt ihr hier.

 

29.3.2012

Jessica von der Fecht (Mobifilz)